Sartorius-Quartier: Junge und Ottobock in einem Haus - Versorgungszentrum für Patienten entsteht

Sartorius-Quartier: Junge und Ottobock in einem Haus - Versorgungszentrum für Patienten entsteht

19.02.2020 Duderstadt/Göttingen, 19. Februar 2020

Rehazentrum Junge und Ottobock unterzeichnen Verträge für Versorgungszentrum in Göttingen

Nach mehr als einem Jahrzehnt rücken das Rehazentrum Junge und das Medizintechnikunternehmen Ottobock räumlich in Göttingen wieder zusammen. Für PatientInnen aus aller Welt bietet das neue Patient Care Center ein ideales Versorgungskonzept. Auf insgesamt 3800 Quadratmetern wird auf dem Gelände des Sartorius Quartiers ein gemeinsames Versorgungszentrum für eine 360 Grad-Patientenversorgung entstehen, das die Kräfte in Göttingen bündelt.

In nahegelegenen Krankenhäusern und Kliniken in und um Göttingen können bei Bedarf chirurgische Vorbereitungen für Prothesenversorgungen vorgenommen werden. Orthopädietechniker von Ottobock sorgen dann für die Anpassung und Versorgung von Hilfsmitteln. Mit der Expertise der spezialisierten MitarbeiterInnen und TherapeutInnen von Junge wird der Versorgungsprozess durch eine optimale Rehabilitation vervollständigt.

Zudem bietet das Sartorius-Quartier Unterkünfte, sogenannte Smart Apartments, an. In den kleinen Apartments können die Patientinnen und Patienten für die Dauer ihres Aufenthaltes - dieser kann bis zu sechs Monate dauern - wohnen. Das Quartier ist verkehrsgünstig, nahe der Göttinger Innenstadt gelegen.

Bei der Zeichnung der Verträge am 19.2.2020 waren Rainer Junge, geschäftsführender Gesellschafter des gleichnamigen Rehazentrums sowie dessen Geschäftsführer André Weimer, Christoph Kleiner, Geschäftsführer der Projektgruppe Hamburg Team und der zuständige Projektleiter Sebastian Franzius, sowie Philipp Schulte-Noelle, CEO von Ottobock, Rolf Jarasch, Director Patient Care Ottobock und Projektleiter, Dr. Malte Bellmann, Leiter der Biomechanischen Forschung anwesend.

Gemietet wird der Rohbau, der bedarfsgerecht bis Ende 2022 ausgebaut wird. Es entstehen Therapieräume, die Anforderungen für neurologische, orthopädische und orthopädietechnische Therapien erfüllen und eine prozessoptimierte Orthopädiewerkstatt, die mit digitaler Fertigungstechnik ausgestattet ist. Das Göttinger Patient Care Center von Ottobock zieht aus der Hermann-Rein-Straße um. Auch Büroräume, Forschungslabore, ein Servicecenter und Co-Working-Spaces entstehen. Das Rehazentrum Junge mit Hauptsitz im Sprangerweg errichtet hier eine weitere, spezialisierte Rehaeinrichtung.

"Es ist genau der richtige Schritt, räumlich zusammenzurücken und Synergien zu schaffen, um Menschen so viel Mobilität wie möglich zurückzugeben. Das Patient Care Center im Sartorius-Quartier ist ein einmaliges Leuchtturmprojekt mit Strahlkraft weit über die Göttinger Grenzen hinaus", sagt Ottobock CEO Philipp Schulte-Noelle.

"Göttingen ist die Stadt, die Wissen schafft - Genau das tun wir mit diesem neuen Zentrum: Kompetenz bündeln, Erfahrungen sammeln, Wissen schaffen. Und das alles zum Wohle der Patienten", sagt Rainer Junge.

"Wir freuen uns sehr, dass mit dem Rehazentrum Junge und Ottobock zwei Nutzer das Quartier bereichern, die perfekt zur Leitidee "Bilden Gründen Wohnen" und dem gesundheitswirtschaftlichen Schwerpunkt passen", sagt Dr. Joachim Kreuzburg, Sartorius-Vorstandsvorsitzender.

360 Grad internationale Patientenversorgung

"Mit dem neuen Versorgungszentrum erweitern wir zusätzlich unser Standortangebot für die internationale Klientel. Wir versorgen nicht nur, wir umsorgen unsere Patientinnen und Patienten. Sie sollen sich während ihres Aufenthaltes bei uns auf sich konzentrieren können", beschreibt Rolf Jarasch, Director Patient Care Ottobock und Projektleiter des Konzepts. Sie bekommen eine Rundumversorgung. In erster Linie geht es um die orthopädietechnische und therapeutische Versorgung. Zusätzlich kümmern sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aber auch um Fragen zum Transport, Unterbringung, Visum und klären die Details mit den jeweiligen Botschaften oder zuständigen Organisationen oder Ministerien.", erklärt Jarasch.

Auch bei Fragen rund um die Freizeit- und Alltagsgestaltung während des Aufenthaltes steht das Team unterstützend zur Seite. Nach diesem Konzept funktioniert bereits das Patient Care Center in Duderstadt und seit Kurzem das neueröffnete "Haus 4" auf dem Bötzow-Areal in Berlin. Ob Großstadt, ländliche Umgebung oder universitäres Umfeld - jeder kann das für sich bevorzugte Umfeld aussuchen.

Vom Patienten lernen - Forschung und Entwicklung

Zusätzlich zur Patientenversorgung und dem Therapiezentrum, bezieht auch die Biomechanische Forschung von Ottobock neue Räume. Der direkte Kontakt mit den Anwendern soll für eine zielgerichtete Entwicklung von Produkten sorgen. "Es ist für uns extrem wichtig, bereits in frühen Entwicklungsphasen das direkte Feedback der Anwender zu bekommen. Durch die klinische und biomechanische Prüfung der Funktionsqualität unserer Hilfsmittel beschleunigen wir auch unsere Entwicklungszeiten, um im Sinne unserer Anwender schneller und besser zu werden. Dafür ist dieses Konzept bestens geeignet.", sagte Dr. Malte Bellmann, Leiter der Biomechanischen Forschung von Ottobock. Insgesamt zehn ForscherInnen und EntwicklerInnen finden in den neuen Räumlichkeiten Platz, außerdem ein Biomechaniklabor mit umfangreicher Messtechnik zur Analyse der Wechselwirkung zwischen AnwenderInnen und Prothesen sowie Orthesen. Bevor Medizintechnikprodukte marktreif sind oder erstattet werden können, bedarf es einer Reihe klinischer Studien, die die Wirksamkeit belegen. Die Nähe von Patientenversorgung, Therapie in der Schwerpunktpraxis von Junge und Forschung vereinfacht und beschleunigt diesen Prozess.

Innovative Rehaangebote

Hightech-Prothesen, computergestützte Orthesen - die Versorgung mit Hilfsmitteln durch Ottobock schafft nahezu unbegrenzte Möglichkeiten für die PatientInnen. Damit sie trotz Lähmung oder nach einer Amputation diese neue Bewegungsfreiheit umsetzen können, sind eine ausdifferenzierte Physio- und Ergotherapie sowie genaue Kenntnis über das Produkt erforderlich - eine Expertise, die im Rehazentrum Junge in den letzten Jahren erarbeitet wurde und ausschließlich hier möglich ist. "Wir schließen hier Lücken in der Versorgungskette mit der Eröffnung einer neuen Schwerpunktpraxis und möchten vorhandene Stärken weiter stärken", verdeutlicht André Weimer, Geschäftsführer des Rehazentrums Junge. "Darüber hinaus möchten wir den Quartiersgedanken und die Idee von Co-Working-Spaces gerne aufnehmen und nicht klassischerweise produktbezogen, sondern dienstleistungsbezogen im Sinne der Therapie denken und Akteure aus verschiedenen Bereichen - Medizin, Therapie, Orthopädie, Biomechanik und andere Fachbereiche - zukünftig unter einem Dach zusammenzubringen, um den Therapien neue Impulse und Ideen zu verleihen", so Weimer.

Digitale Werkstatt und Service Center

Die Versorgung läuft bereits weitestgehend digital. Durch Scan-Techniken können die Maße der PatientInnen für den späteren Schaftaufbau genommen werden. In der Ottobock Zentrale in Duderstadt erstellen spezielle Fräsroboter darauf basierend das entsprechende Positivmodell. Zukünftig wird im derzeit entstehenden iFab - einer zentralisierten digitalen Fertigung von individuellen Hilfsmitteln - dann auch der 3D-Druck weiter ausgebaut. Die anschließenden Anpassungen und Modifizierungen werden wiederum in Göttingen vorgenommen. Wir konzentrieren uns hier nur auf Versorgungen, die zwingend mit dem Menschen, dem Ort und unserem Netzwerk zusammenhängen", erklärt Jarasch. Das Know-how und die technischen Möglichkeiten der digitalen Fertigung soll auch für deutschen Sanitätshäuser einen Mehrwert bieten. Im Human Mobility Service Center bietet Ottobock KundInnen die Möglichkeit zu Beratung und Fachaustausch in den Bereichen Prothetik, Orthetik und Rollstuhltechnik.

Bereits vierzehn Jahre waren Rehazentrum Junge und Ottobock unter einem Dach angesiedelt, bis sich ihre Wege räumlich trennten. Jetzt sind sie wieder vereint.


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